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Rückblick: Partnerevent Alumni UniBE x Rochester-Bern: Energie der Zukunft: Wettbewerbsfähig ins nächste Jahrzehnt
Alumni UniBE Corporate
17.03.2026
Am 27. Februar 2026 stand die Schweizer Energiewende im Mittelpunkt einer Veranstaltung, bei der Entscheidungsträger*innen aus Politik, Wirtschaft und Technologie zusammenkamen, um zentrale Fragen zur zukünftigen Energieversorgung zu diskutieren. Im Fokus stand insbesondere die Rolle von Innovation und Regulierung sowie die Frage, wie Unternehmen klimafreundliche Technologien einsetzen können, ohne ihre Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.
Zu Beginn des Anlasses konnten die Teilnehmenden Energie hautnah erleben, indem sie verschiedene Formen von Energie anfassen und anschauen konnten. Dabei wurde anschaulich vermittelt, wie vielfältig Energie in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ist.

Nach einer kurzen Keynote folgten Debatten mit Expertinnen und Experten, die von Anina Geiser und Corinna Rutschi von «Unchain Your Mind» geleitet wurden. In diesen Debatten wurden Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze für eine sichere, nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung der Schweiz beleuchtet.
Die Keynote wurde von Martin Schwab, VSE-Präsident und Geschäftsführer CKW, gehalten. Darin wurde betont, dass die Schweiz insbesondere bei der Winterstromproduktion vor grossen Herausforderungen steht. Insgesamt ist das Land bei vier von fünf zentralen Indikatoren zur Entwicklung erneuerbarer Energien nicht auf Kurs; lediglich bei der Photovoltaik entspricht die Entwicklung derzeit den Zielvorgaben. Der Vergleich zwischen dem aktuellen Zustand und den angestrebten Zielen verdeutlicht dabei einen deutlichen Mismatch zwischen Ist- und Soll-Zustand.

In der ersten Debatte zur Energiewende in Schweizer Unternehmen und der Gesellschaft diskutierten Prof. Dr. Isabelle Stadelmann, Professorin für Vergleichende Politik an der Universität Bern, Patrik Richter, Gründer und Geschäftsführer bei Agile Wind Power AG, und Sandra Trittin, Unternehmerin, Vorstandsmitglied, Investorin, über den aktuellen Stand und die zukünftigen Herausforderungen. Grundsätzlich sind die notwendigen Technologien bereits vorhanden, doch Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Energiesysteme umzustellen. Dabei wird ein Umdenken hin zu stärker dezentral organisierten Strukturen als notwendig angesehen. Gleichzeitig bleibt die Energiesicherheit ein zentrales Anliegen, da eine stärkere Abhängigkeit von Importen kritisch betrachtet wird. Dennoch zeigen angenommene Volksabstimmungen zu energiepolitischen Themen, dass in der Bevölkerung grundsätzlich eine gewisse Offenheit für Veränderungen besteht.

Als zentrale Herausforderung wurde die Umsetzung genannt. Obwohl ein gewisses Verständnis und eine grundsätzliche Bereitschaft in der Bevölkerung vorhanden sind, scheitern viele Projekte an konkreten Einwänden oder lokalen Widerständen. Häufig zeigt sich eine Haltung des «Ja, aber», bei der Massnahmen grundsätzlich befürwortet werden, konkrete Projekte jedoch auf Widerstand stossen. Zudem passen bestehende gesetzliche Rahmenbedingungen nicht immer zu den Anforderungen erneuerbarer Energien. Insgesamt wird deutlich, dass für eine erfolgreiche Umsetzung verschiedene Faktoren gleichzeitig zusammenpassen müssen.

Im internationalen Vergleich ist der Druck auf Unternehmen in der Schweiz geringer als in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder China. Dennoch stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Energieversorgung langfristig anzupassen. Zu den möglichen Instrumenten zählen unter anderem Photovoltaik, langfristige Stromabnahmeverträge sowie der Einkauf von Stromkontingenten.
Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung wurde diskutiert. Beispiele aus anderen Ländern zeigen, dass finanzielle Anreize oder direkte Vorteile für Anwohner*innen die Zustimmung zu Energieprojekten erhöhen können. Gleichzeitig spielen emotionale und politische Faktoren häufig eine grössere Rolle als rein operative Fragen. Langfristig könnte sich die Wahrnehmung jedoch verändern, da jüngere Generationen mit erneuerbaren Energieanlagen aufwachsen.

Ein weiteres Thema war die Wirtschaftlichkeit der Energiewende. Hohe Anfangsinvestitionen, etwa bei Wärmepumpen, stellen für viele Haushalte und Unternehmen eine Herausforderung dar. Gleichzeitig gelten erneuerbare Energien bereits heute als eine der günstigsten Formen der Energieerzeugung, sofern geeignete regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen bestehen. Um die hohen Anfangskosten zu überwinden, könnten stärkere Förderinstrumente notwendig sein.
Abschliessend wurde betont, dass die Debatte stärker auf konkrete Alternativen ausgerichtet werden sollte. Anstatt nur über einzelne Projekte zu diskutieren, sollte auch berücksichtigt werden, dass das Nicht-Handeln ebenfalls Konsequenzen hat. Entscheidend sind klare regulatorische Rahmenbedingungen, die Bereitschaft, gewisse Risiken einzugehen, sowie ein pragmatischer Ansatz in der Umsetzung.

In der zweiten Debatte diskutierten Prof. Dr. Doina Radulescu, Professorin für «Staat und Markt» an der Universität Bern, Martin Schwab und Matthias Egli, Geschäftsführer der Swissolar, darüber, wer die Energiewende in der Schweiz steuert und welche Rolle dabei Staat, Markt und verschiedene Akteure spielen. Dabei wurde betont, dass kein einzelner Akteur die Transformation alleine lenken kann. Vielmehr braucht es ein Zusammenspiel aus Politik, Regulierung, Wirtschaft und Innovation. Entscheidend ist eine passende Regulierung, die die richtigen Kosten- und Anreizstrukturen schafft, da pauschale Lösungen für ein so komplexes System kaum funktionieren.

Ein zentraler Punkt war die Marktliberalisierung im Energiesektor. Das heutige Energiesystem basiert historisch auf einem über hundert Jahre alten Monopolsystem, weshalb eine Liberalisierung zunächst neue regulatorische Rahmenbedingungen erfordert. Ein Beispiel dafür ist, dass Privatpersonen erst seit 2018 Strom – etwa aus eigenen Solaranlagen – an Nachbar*innenn verkaufen dürfen.

Die Solarenergie hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und macht inzwischen rund 17 % der Stromproduktion in der Schweiz aus. Gleichzeitig zeigt sich eine Herausforderung: Im Sommer kommt es teilweise zu einem Überangebot, was zu negativen Strompreisen führen kann. Daher braucht es Rahmenbedingungen, die sowohl funktionierende Märkte ermöglichen als auch die Stromversorgung im Winter sichern.
Ein weiteres wichtiges Thema war die Versorgungssicherheit. Dabei wurde betont, dass diese nicht nur eine Frage der Energiemenge ist, sondern auch davon, welche Kosten und Risiken eine Gesellschaft bereit ist zu tragen. Gleichzeitig wurde hervorgehoben, dass ein zukünftiges Energiesystem auf einer Kombination verschiedener Technologien sowie auf Speichermöglichkeiten und Flexibilität basieren muss.

Abschliessend wurde festgestellt, dass die Schweiz bereits wichtige Fortschritte erreicht hat. Für die Zukunft werden insbesondere Innovation, Speichertechnologien und flexible Energiesysteme als entscheidend angesehen, während eine ausgewogene Regulierung das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure sicherstellen muss.

Abgerundet wurden die Debatten durch ein Apéro bei dem sich die Teilnehmenden und Referierenden weiter austauschen konnten.





